3. Der Blaue Zauber von Mondland - Kater & Mehr, Kunst und Design, Kinderbuch & Katzenkalender 2020

> © Silke Thümmler <

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3. Der Blaue Zauber von Mondland

Aus der Kinderbuchreihe um Kater Leo, den Flederkater: Der Blaue Zauber von Mondland

Leseprobe: So geht's los.....


Alles neu

Ein glitzernder Wassertropfen rinnt langsam an einem Blättchen eines Schneeglöckchens herunter. Es ist der Tau an diesem ach so frühen Morgen. Ringsum sind vereinzelt Schneereste wie die letzten Schaumberge einer Schaumschlacht verstreut.
Das Wetter ist mild und hat das meiste der Winterlandschaft in diesem Jahr schon weggetaut. Der Winter geht zu Ende, es ist März.
Am Horizont schiebt sich ein lichter Bogen den Himmel hoch, einen Teil, einen Vorboten der Sonne kann man schon sehen.
Hier auf dieser Nochwinterwiese, der Frühjahrsanfang ist erst in ein paar Tagen, sind reichlich und büschelweise Schneeglöckchen zwischen alten Grasbüschen verteilt, hinter denen man sich gut verstecken kann.
Diese Wiese liegt hinter einem Pavillon am Rande des Seerosenteiches, der zum Herrenhaus bei Warenthin gehört.
Alles ist so anders, so außergewöhnlich, Leo Flederkater ist jetzt nicht nur Bewohner eines Landhauses mit großem Garten, sondern kann neuerdings ein fulminantes, also glänzend-großartiges Herrenhaus mit Park seine Dauerresidenz nennen, wenn er denn will. Na gut, manchmal ist ihm doch manches ein bisschen zu viel des Guten und zu aufregend, dann zieht er sich ins Obergeschoss des Landhauses zurück und verkriecht sich unter seine Bettdecke, um erst einmal 16 Stunden zu pennen. Das hilft. Flederkater mit flatternd schwingenden Flügeln zu sein, soll schließlich keine Belastung sein, man ist doch nun kein Lufttaxi.
Ganz bestimmt nicht jedes Herrenhaus ist fulminant, das machen dann wohl eher die vielen Um- und Ausbauten und allerlei mechanische Gerätschaften und Extras.
Leo stromert gern im gläsernen Dachboden herum, da stehen mittlerweile einige Miniburgen, kunterbunt bemalt und jede mit einem anderen Liege- und Ausguckplatz auf dem Dach, nicht zu vergessen die Miez, die dann so eine Burg bewohnt. Die Miezen machen Leo immer schöne Augen, aber es gibt auch einige Kater, mit denen man toll raufen kann. Kater Leo ist dann immer im Vorteil, wenn es ihm zu bunt wird, schwingt er seine Flügel und hebt ab, hoch in den Kletterwald.
Der ist einfach grandios, sowas hat man noch nicht gesehen. Unterschiedlich große, unterschiedlich verzweigte Kratzbäume, die wie Türme aus den Katzenburgen herausragen und mit Stegen, Liegeplätzen, Hängebrücken verbunden sind. Okay, die meisten Hängebrücken sind so starr gebaut, fest, fixiert, dass sie nicht schwingen oder wackeln, dass man ihnen trauen kann, gerade richtig für die moderne vorsichtige Miez.
Zum Dachgeschoss gehört auch die begrünte Terrasse mit Katzenminze, Rosenbüschen,  Stiefmütterchen - und noch mehr, worauf man draufrumkauen oder was ein Nimmersatt zu Diätzwecken als Alternative essen kann - , die hier bald wieder munter sprießen. Dazu gibt es in einigen sehr großen Töpfen Palmen mit extra dickem Stamm, aber erst wieder Mitte Mai, zur Zeit ergänzen sie den Kratzbaumkletterwald. Sie sind natürlich toll, um im Sommer auf der Dachterrasse an ihren Stämmen hochzuklettern und Höhenluft zu genießen oder nachts nach den Sternen zu pföteln, nicht zu vergessen ist, man kann die Krallen in ihnen so richtig tief versenken.
Von oben herab führt ein glitzernder Treppenturm und auch ein Aufzug für den etwas fauleren Kater. Der Katzenlift ist reaktionsfreudig, Miez oder Kater muss ihn nur ausreichend anmaunzen oder eine kurze Weile ruhig davorstehen, dann kommt er.
Ja, man hat an alles gedacht, denn zur Bewegungsförderung hat der Treppenturm so seinen eigenen Reiz erhalten. Er ist voll behangen mit reflektierenden, an elastischen Schnüren hängenden, in allen Farben funkelnden Plättchen, alles wackelt, alles bewegt sich, sogar nachts blinkelt es an den Wandteilen des halboffenen Turmes, dafür sorgen ein paar Strahler, schließlich gibt es Katzen, die mögen es nachtaktiv.
Und was ist nun mit der Maus? Mit den Mäusen? Bei so vielen Katzen?
Mit großer Begeisterung haben alle Bewohner des Katzen- und Kater-Bereiches das interaktive elektronische Mausgetier für sich entdeckt.
Etwas kleiner und mit längerem Schwanz ausgestattet, also wesentlich handlicher für die anspruchsvolle Miez, reagieren sie auf Licht und Schatten und wenn sie angepatscht oder mit der Pfote mal ordentlich durch die Gegend geschmissen werden. Dann flitzen sie oder ruckeln oder piepsen, quietschen grell wie voller Freude nach einem ordentlichen Patsch und gribbeln im Katzenmäulchen, wenn man sie durch die Gegend trägt.
Wer es von den Katzen oder Katern so richtig draufhat, packt sie geschickt in die verzweigte Kugelbahn aus Röhren, die an einer Wand installiert ist und schaut sich an, wie die Maus Loopings entlangflitzt. Dazu gibt es noch ein Schaltpult für die Weichen der Anlage, dann dackelt die Maus immer mal eine andere Kurve lang, sowie das Spiel “Wessen Maus ist schneller oder wendiger?”, dazugehörige Rennmauswetten über Katzenminzedrops und und und …
Darüberhinaus gibt es im Herrenhaus und in dem dazugehörigen Park, die nicht nur Katzen als Herberge, Sanatorium oder Zufluchtsort dienen, dem allgemeinen Frieden entsprechend Regeln. Es gilt die Vegetarierpflicht, hier ist ein Auszeitgebiet.
Sicher in der Natur ist vieles so eingerichtet, das so ein Biotop oder Ökosystem auch funktioniert, und da lebt nun mal nicht jeder als ein als Hippie verkleideter Veganer und kaut den ganzen Tag nur auf Gras herum. Jedoch zerstört eine Ruhezone wie die Tierschutzstation von Nana Mondstein, die Leo’s liebster Mensch ist, und ihren Freunden um Jonathan Havekamp das ökologische Gleichgewicht längst nicht.
Im Gegenteil Nana und Jonathan können für eine ausgewogene vegetarische Verpflegung ihrer Schützlinge sorgen und für deren Genesung und Erholung ist absoluter Friede sehr hilfreich. Die Tierschützer sind ganz im Allgemeinen sowieso der Auffassung, wenn man etwas besser machen kann, sollte man dies auch tun, also warum nicht vegetarisch futtern, wenn man es kann.

Leo und der frühe Morgen

‘Schlaftrunken kriecht er eine gläserne Röhre entlang, es ist ihm so unendlich müde zumute, die Augenlider zieht es ihm wieder und wieder herunter, mit aller Anstrengung versucht er seine Augen offen zu halten. Er kriecht weiter, es ist so mühselig, eingepackt in so ein silbrig glitzerndes Stoff-Ding, wie es Menschen immer tragen, sein Kopf ist nur noch unter einer Glaskugel sichtbar, die Glaskugel auf seinen Schultern ist schwer. Die Röhre wird immer länger, ist sie endlos? 982, 981, 980, 979, … tönt es irgendwo aus dieser Anlage von gläsernen Glocken, Kugeln, Röhren hier in Mondland, mitten auf dem Mond. Es brodelt, irgendetwas brodelt und gurgelt.
Jetzt schieben ihn weißbehandschuhte Froschgestalten, deren Köpfe ebenfalls unter Glaskugeln sitzen und deren Augen unter kleineren Glaskugeln um ein Vielfaches vergrößert erscheinen, in ein schwarzes Loch … KLappe zu … . 921, 920, 919, 918, … Es ist stockdunkel, auf einmal gehen Lichter an, überall Lämpchen auf Tafeln, Schaltpulten mit Knöpfen und Hebeln, … bloß nix anrühren …, 843, 842, 841, …
Ein Countdown? Hoffentlich nicht … Er denkt an seine Eltern, die rotgetigerte Katzendame, … 810, 809, 808, … brrr, was ist hier los? Es brodelt, es gurgelt, es wird lauter... Sind das Düsen, Triebwerke, Raketen, Wasauchimmer? Sollen die warm laufen? Soll er das wirklich? Auf was hat er sich da eingelassen? Neiiiiiiiin………’
Kater Leo liegt im Landhaus unter seiner Bettdecke, die er gern zu einem Teil auch immer Nana überlässt und träumelt. Spielerisch. Von Mondland, und jetzt auch noch vom Mars.
‘An der übergroßen Wand ihm gegenüber schnurrt es und Licht blendet ihn. Funkelnde grüne Augen strahlen ihn von diesem Bildschirm her an, zwinkern. Sie schiebt ihre Pfoten nach vorn über ihren rosenbewachsenen Diwan, streckt sich, diesmal sind es sogar echte Rosen, die den Diwan hochranken. Die rotgetigerte Katzendame ... verfolgt sie ihn jetzt? Hinter ihr sind rotglühende Felder, dunkelrote Berge zu sehen, sind das dort Flammen, ist das Feuer? Was macht sie jetzt überhaupt auf dem Mars? Und er soll jetzt los auf eine Marsexpedition? Das Schnurren wird noch durchdringender, irgendwie beruhigend oder aufregend?
Och, nöööö….., zum Mars? Echt? Ist das euer Ernst?’
Leo ist jetzt wach. Er strampelt und pfötelt und schiebt so die Bettdecke und diesen Traum ganz energisch beiseite. Ein Ruck, ein Schwung, er hat sich aufgerichtet, strecken recken, gähnen. Er steigt auf Nana und trampelt und trampelt und legt sich auf ihren Hals und ihr Kinn, sie soll sich doch mal rühren. Nana dreht sich jetzt auch und Leo rutscht, lässt sich neben ihren Kopf plumpsen und endlich wird er beschmust. Nase an Nase reiben, er lässt sich von ihrer Stirn den Kopf massieren, hält die Augen geschlossen und schnurrt in einem hohen Ton. Pürr, pürr, brüüü … . Diesen Ton hat er sich bei Bummi, dem übergroßen roten Main Coon aus der Herrenhaus-Pension abgeschaut. Der ist jetzt der Kater von Jonathan und heißt eigentlich Kimba. Bummi rauft auch nicht, Bummi schläft und schmust genauso gern wie Leo und mit Leo.  
Leo schnurrt wie in Trance und sinniert über seine Träume. Seit er beschlossen hat, eine Reise nach Mondland anzutreten, fragt er sich, wie diese Welt dort wohl sein mag und im Traum nimmt dieses Reich auf dem Mond die tollsten Formen an.
‘Eine Weltraumstation und eine Reise mit dem Raumgleiter zum Mars, eine Katzendame, die Leo verfolgt… Was für einen Mist man manchmal auch träumt!’, denkt sich Leo. Erst vorgestern musste er in so einem Traum durch einen Wald aus feuerspeienden Drachen, die miteinander Drachenschach spielten. Ein andermal waren in Mondland alle Menschen zu Robotern mutiert, so genannten Cyborgs. Da war nicht mehr viel Fleisch an ihnen, das Gehirn all dieser Gestalten bestand nur noch aus vorprogrammierten Leiterplatten mit sogenannter künstlicher Intelligenz, aber die Cyborgmenschen fanden sich selbst ganz toll, obwohl alle einen Sprung in der Schüssel hatten. Jede dieser Maschinen wiederholte ständig ein und dieselbe Aktion immer wieder mit lautem Scheppern, welch ein gräßlicher, ohrenbetäubender Krach! Wenigstens waren Nana und Jonathan nicht in diesem Gruseltrupp. Dann war da noch diese Bohnenranke gewesen, an der Leo zum Mond klettern musste, aber die ganze Nacht lang nicht ankam. Dagegen kamen ihm Unmengen von Spinnen entgegen, die er ja eigentlich interessant findet, aber müssen es gleich so viele sein, die dann einfach über ihn, das Hindernis, drüberhinwegkrabbelten? Soll Leo stolz sein auf seine Phantasie? Da ist er sich gar nicht so sicher, wie kann man sich nur so viel himmelschreienden Blödsinn einfallen lassen? Bloß gut, dass Leo das immer selber merkt und noch rechtzeitig aufwacht, vorm Durchdrehen. Kann es sein, dass er in seinem Katerleben zu viel in Nana’s Fernseher geschaut hat? Es soll ja Menschen geben, die schon Tagträume erlebt haben, davon hatte Nana einmal erzählt. Wie gehen die damit um, was träumt man denn da? Stehen die dann in der Innenstadt und alle Hochhäuser sehen wie Riesen mit tausend Augen aus? Aber Leo will ehrlich sein, seine eigenen Wunschtagträume haben ihm schließlich ein paar reinweiß strahlende Schwingen eingebracht und welcher Kater auf Erden kann sich schon Besitzer von Flügeln nennen. Das geht sonst nur im Himmel. Insofern können Tagträume so schlimm nicht sein, vielleicht kommt der Mist ja auch nur in der Nacht.
Leo schnurrt immer noch, aber langsam ist er fast schon wieder in einen Dämmerschlaf gefallen. Sein Pürr und Brüü klingt  in den höchsten Tönen, aber nur fast wie bei Bummi, das gesteht sich Leo neidlos ein. Er hat mittlerweile Nana seine Hals- und Kinnpartie entgegengestreckt, das streckt und glättet so schön die Haut und das Gekraultwerden in diesem Bereich ist besonders angenehm. Nochmal den Bauch hinstrecken, so ein Bauchkrauler entspannt alles, das geht bis in den Rücken, Leo versinkt in Tiefenentspannung. 'Nana soll bloß nicht aufhören', brummelt er bei sich.

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